„Trotz Gewalt und Unrecht den Frieden suchen“ – Vortrag und Gespräch mit Dr. Sumaya Farhat-Naser in Kempten

Am 12. November 2025 sprach die mehrfach ausgezeichnete Friedenspädagogin und Autorin Sumaya Farhat-Naser auf Einladung des Weltladen Kempten – für Eine Welt e.V. und Pax Christi Augsburg im Haus International Kempten.

Die Situation in Palästina und Israel ist katastrophal und der bedrohlich wie nie zuvor. Die Zerstörung der Häuser und der Infrastruktur beraubt die Lebensgrundlage, zu überleben, führt zur Vertreibung. Wie können Menschen trotzdem Hoffnung leben trotz Gewalt, Angst und Perspektivlosigkeit? Diese Frage beantwortet die Friedenspädagogin und Autorin Sumaya Farhat-Naser, die selber vor Ort lebt, so:
„Perspektive und Hoffnung werden nicht zuletzt durch Bildung von Frauen und Jugendlichen geschaffen.“ Sie setzt deshalb ganz auf die Arbeit mit der jungen Generation.

In Schulen und Frauengruppen lehrt sie seit vielen Jahren mit großem Engagement gewaltfreie Kommunikation und den Umgang mit Konflikten, unermüdlich kämpft sie gegen Hoffnungslosigkeit und Resignation. Im Vortrag berichtete sie in klaren Worten über die aktuelle Situation und ihre Friedensarbeit und die Entwicklungsprojekte zur Förderung von Jugendlichen und Frauen in Palästina. Sie ist überzeugt: „Es ist wichtig, dass jeder Mensch zuerst lernt, Frieden mit sich selbst zu finden – das ist die Grundlage für Frieden mit anderen. Israelis und Palästinenser müssen beide Kompromisse machen und nachgeben. Nur so können am Ende alle gewinnen.“

Drei Prinzipien sieht sie als entscheidend dafür an. Diese lauten:
1) Alle Menschen sind von Geburt an gleichberechtig und niemand hat das Recht, sich über andere zu erheben.
2) Alle Menschen sind von Geburt an unterschiedliche Persönlichkeiten. Dies bereichert unsere Gesellschaft, führt aber oft auch zu Missverständnissen.
3) Jeder Mensch hat einen wunderbaren und guten Kern, einen „Diamant“, den er selber zum glänzen bringen kann. Dies ist eine zutiefst persönliche Entscheidung, die jeder aktiv aus sich selbst heraus treffen kann und muss.

„Wir wollen unsere Zukunft auf Menschlichkeit, Liebe und Hoffnung gründen, nicht auf Hass und Groll“ so Sumaya Farhat-Naser. „Dazu müssen wir bei uns selber beginnen. Nur wer sich selbst vergibt, weiß, wie wunderbar es für andere ist, wenn auch ihnen vergeben wird.“

Sumaya Farhat-Naser, geboren 1948 in Birzeit bei Ramallah, studierte Biologie, Geographie und Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Sie ist Mitbegründerin und Mitglied zahlreicher Organisationen, u.a. von Women Waging Peace an der Harvard-Universität und vom Global Fund for Women in San Francisco und wurde vielfach international ausgezeichnet ( Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Münster, Bruno-Kreisky-Preis für Verdienste um die Menschenrechte, Evangelischer Buchpreis des Deutschen Verbands Evangelischer Büchereien, Versöhnungspreis Mount Zion Award in Jerusalem, Augsburger Friedenspreis, Hermann-Kesten-Medaille des P.E.N.-Zentrums Deutschland, Bremer Solidaritätspreis, Profaxpreis, AMOS-Preis für Zivilcourage in Religion, Kirchen und Gesellschaft).

Bücher der Autorin:

  • Thymian und Steine. Eine palästinensische Lebensgeschichte. Lenos, Basel 1995; 7. akt. A. 2008, ISBN 978-3-85787-719-3;
  • Verwurzelt im Land der Olivenbäume. Eine Palästinenserin im Streit für den Frieden. Lenos, Basel 2002, ISBN 3-85787-326-4;
  • Disteln im Weinberg. Tagebuch aus Palästina. Nachwort von Ernest Goldberger, Lenos, Basel 2007, ISBN 978-3-85787-716-2
  • Im Schatten des Feigenbaums. Lenos, Basel 2013, ISBN 978-3-85787-436-9
  • Ein Leben für den Frieden, Lesebuch aus Palästina. Lenos, Basel 2017, ISBN 978-3-85787-479-6
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