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Aus Kriegsangst gräbt sich das Allgäu selbst das Wasser ab
Friesenried, Juli 2026. Schlechte, zutiefst beunruhigende Nachrichten kommen in diesem Sommer aus Friesenried, einer kleinen, bisher gesunden Gemeinde zwischen Kaufbeuren und Obergünzburg.
Der Ostallgäuer Bürgermeister Bernhard Huber ist „stinksauer“. Er fühlt sich überrumpelt.
Auf dem Gebiet seiner Gemeinde ist der südlichste von drei deutschen Standorten für ein Raketenabwehr-Radarsystem geplant, das ab 2027 schrittweise gebaut werden und bis 2029 vollständig einsatzbereit sein soll. Kurzerhand hat der bayrische Staat dafür der Bundeswehr ein etwa 80 Hektar großes Gelände im Staatswald über Friesenried übereignet, ein Waldgebiet, aus dem bislang das Trinkwasser der Gemeinde kommt und das für Natur, Klima und als Naherholungsgebiet in vielerlei Hinsicht große Bedeutung hat.
Der gewählte Bürgermeister wurde nicht gefragt. Per ordre de mufti wurde er über Nacht zum Geheimnisträger des Militärs gemacht, verpflichtet, mit einem Maulkorb zu schweigen darüber, dass schon längst der Stab über seine eigene Gemeinde gebrochen worden war. In dieser Art beschreibt es Huber selbst im Gemeindeblatt. Denn auf dem Gebiet militärischer Anlagen kann der Staat bzw. das Militär machen was es will, hat es „Narrenfreiheit“. Und die wird nun genützt:
In Zeiten, in denen der Klimawandel durch staubtrockene Sommer mit vielen Temperaturrekorden spüren lassen, was es für Menschen und Natur bedeutet, wenn wir den Planeten weiter ausbeuten und missbrauchen, planen Militär und Politik die Abholzung von riesigen Waldflächen (in einer Größe von mehr als 40 Fussballfeldern!) in einem Trinkwasserschutzgebiet und damit einhergehend die großräumige Zerstörung von wasserspeichernden, fruchtbaren Böden und Rückzugsräumen seltener Tier- und Pflanzenarten.
Nein, das ist nicht der Amazonas. Im Allgäu verlieren wir unsere wertvollsten natürlichen Ressourcen nicht durch skrupellose Landräuber, sondern durch offizielle staatliche Institutionen. Und nein, wir werden nicht gefragt, ob wir das so wollen. Selbst demokratisch gewählte Bürgervertreter wie der Bürgermeister und oder der Gemeinderat, als Kommunalparlament der betroffenen Gemeinde, wurden „sicherheitshalber“ gar nicht erst gefragt, sondern nur vor vollendete Tatsachen gestellt.
Die Bürger wurden erst im Nachhinein über die fatalen Beschlüsse informiert und nicht mit in Entscheidungen einbezogen, die ihr Leben verändern werden. Zu einer Infoveranstaltung Ende Juli mussten Fragen wie „Wie sieht es mit der Trinkwasserversorgung aus?“ oder „Wieviel Strahlung geht von der Anlage aus?“ vorab eingereicht werden. Nicht in Friesenried ansässige Menschen wurden erst gar nicht zu dieser Veranstaltung zugelassen. Echte Demokratie würde anders aussehen.
Wie kann es sein, dass der Erhalt unserer Lebensgrundlagen und zentrale Grundsätze der demokratischen Teilhabe bei so wesentlichen Fragen des Gemeinwohls hier keine Rolle mehr spielen? Die Angst vor dem heraufbeschworen Feind lähmt – wie schon so oft in der Geschichte – den Verstand, der eigentlich wüsste, was es wirklich für Frieden braucht. Ein vermeintlicher „Schutzschirm“ – für den sowohl Klimaschutz, Natur, Trinkwasser und Demokratie geopfert werden – das klingt nicht nach Vernunft und verweist mehr auf die dunkle Vergangenheit als auf eine gute Zukunft.
Ina Schicker
Warum Aufrüstung und Kriege größten Schaden an unseren Lebensgrundlagen anrichten und deshalb niemals mit einem enkeltauglichen Leben vereinbar sind:
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